Direkt zum Inhalt

Das Thema geht gerade aktiv durch die Presse. So jung und schon ein Cyberverbrecher?

Irgendwie muss ich bei solchen Meldungen immer ein bisschen über den Begriff „Script Kiddie“ nachdenken. Vor ein paar Jahren hatten wir schon einmal den Fall eines Jugendlichen, der aus seinem Kinderzimmer heraus ein florierendes Drogenimperium im Darknet aufgebaut hatte. Und in meinem Beruf bleibt es nicht aus, Menschen kennenzulernen und zu schätzen, die – sagen wir es mal so – in ihrer Jugend noch eine gewisse Orientierungsphase hatten. 😉

Trotzdem höre ich in bestimmten Security-Kreisen immer wieder etwas abwertende Bemerkungen über „Script Kiddie“. Gemeint sind damit meist junge und unerfahrene Menschen, die keine eigenen Exploits entwickeln, sondern fertige Tools, Skripte und Anleitungen anderer benutzen. Überspitzt gesagt: YouTube-Video anschauen, Tool herunterladen, auf „Start“ drücken und sich danach für Mr. Robot halten.

Zugegeben: Ein solches „Script Kiddie“ sollte für ein gut aufgestelltes Unternehmen tatsächlich kein großes Problem darstellen. Und ich bin normalerweise sehr vorsichtig mit Victim Blaming. Einem Opfer eines Cyberangriffs hinterher zu erklären, es sei irgendwie selbst schuld, finde ich völlig daneben. Aber wenn ein Schüler mit wenig Erfahrung, zwei YouTube-Videos und ein paar frei verfügbaren Tools ein Unternehmen ernsthaft in Bedrängnis bringen kann, müssen wir uns vielleicht eine andere Frage stellen.

Hinter dem Begriff „Script Kiddie“ steckt für mich da noch ein komplett anderes Problem: Wir unterschätzen junge Menschen. Wir akzeptieren zwar völlig selbstverständlich, dass ein Jugendlicher innerhalb weniger Jahre vom recht talentierten Nachwuchssportler zur Weltspitze werden kann. Wir sehen junge Musikerinnen und Musiker, die mit 16 Fähigkeiten haben, für die andere Jahrzehnte brauchen. Warum sollte das ausgerechnet in der IT-Sicherheit anders sein? Die Werkzeuge sind verfügbar. Das Wissen ist verfügbar. Die Communities sind verfügbar. Und junge Menschen können verdammt schnell lernen.

Die interessantere Frage ist deshalb für mich: Was machen wir „Erwachsenen“ eigentlich mit diesem Potenzial? Denn auf der einen Seite locken Geld, Anerkennung, Macht und vermutlich auch der Reiz, Dinge tun zu können, die andere nicht können. Dem sollten wir auf der anderen Seite vielleicht etwas entgegenzusetzen: Anerkennung. Förderung. Herausforderungen. Chancen.

Und vor allem Menschen, die sagen: „Du kannst das. Und wir zeigen dir, was du damit Sinnvolles anfangen kannst.“ Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich so gerne unterrichte.

alexander
x